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Rechtsvergleichung Spanien-Deutschland

Ein gern zitierter Ausspruch des Amsterdamer Rechtswissenschaftlers Isaac Kisch lautet:

„Ein guter Übersetzer ist eigentlich ein von außen nach innen gekehrter Komparatist, und ein guter Komparatist ist eigentlich ein von innen nach außen gekehrter Übersetzer.“

In meiner langjährigen Tätigkeit als juristische Übersetzerin und Dolmetscherin habe ich immer wieder gesehen, wie sich dieser Ausspruch am praktischen Beispiel bewahrheitet hat: Eine juristische Fachübersetzung erfordert rechtsvergleichende Arbeit, weil der Sinngehalt juristischer Fachbegriffe von den rechtlichen Systemen definiert wird, aus denen sie stammen.

In manchen Fällen ist daher die 1:1 Übersetzung bestimmter Begriffe gar nicht möglich. Diese müssen vielmehr gesondert erläutert werden, oder für die Übersetzung muss ein Terminus gefunden werden, der möglichst genau den rechtlichen Inhalt wiedergibt.

Ein Beispiel: Das spanische Rechtssystem kennt das Rechtsinstitut der Hypothek, nicht aber daneben das der deutschen Grundschuld. Bei der Übersetzung einer Grundschuldbestellung ins Spanische bleibt daher nur die knappe inhaltliche Erläuterung des Begriffs "Grundschuld", meiner Ansicht nach am besten in einer Fußnote.

Die rechtsvergleichende Übung zwischen dem deutschen und dem Spanischen Rechtssystem am Fachbereich für Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaften der Universität Mainz macht jungen Übersetzern und Dolmetschern bewusst, dass derartige Unterschiede sehr tiefgreifend sein können und dass sie nicht nur im lexikalischen, sondern auch im rechtlichen Bereich recherchieren müssen, um dem zumeist  juristisch ausgebildeten und tätigen Verwender eine für ihn brauchbare Übersetzung zu liefern.

Im Wintersemester 2012/2013 und Sommersemester 2013 beschäftigt sich die Übung im Rahmen eines vom Gutenberg Lehrkolleg (GLK) der Universität geförderten innovativen Lehrprojekts mit der Übersetzung und didaktischen Aufbereitung zweier notarieller Urkunden, parallel werden Exkursionen zu Orten der praktischen Rechtsanwendung wie Gerichten, Notariaten und Anwaltskanzleien organisiert.